Gartley "222" Muster

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Das Gartley-Muster ist benannt nach seinem Entdecker, Harold M. Gartley (1899-1972). Gartley wurde in Newark, New Jersey, geboren. Er machte seinen Bachelor Abschluss in Commercial Science und seinen Master in Business Administration an der New York University. An der Wall Street lernte er das Börsengeschäft von der Pike auf, er war unter anderem Händler, Analyst und Ausbilder. 1935 veröffentlichte er seine Lehrgangsunterlagen als eine Art Ringbuch mit dem Titel „Profits in the Stock Market“ – das Stück für 1.500 $. Das entsprach in der damaligen Zeit immerhin drei Fords! Der Leser bekam dafür was zum Lernen über Trends, die Dow Theorie, Dreiecke, Gleitende Durchschnitte und Gaps – und über Muster (= Pattern). Was heute als „Gartley Pattern“ bezeichnet wird, ist das Muster, welches er auf Seite 222 im Detail beschrieben hat – es wird daher auch als „Gartley 222“ bezeichnet. Statistische Daten belegen, dass dieses Muster eine Trefferquote von 70% hat. Das Gartley Muster findet man in allen Zeitrahmen und allen Märkten.

Gartley 222 ist eine Kombination von Gartley‘s Trendliniendiagramm, seinem AB = CD Muster und Fibonacci-Zahlen. Diese kreative Arbeit wurde in den 90ern des letzten Jahrhunderts von Larry Pesavento durchgeführt.


Beschreibung

Betrachten wir als erstes Abbildung 1:

Abbildung 1

Die linke Grafik in bullischem Grün zeigt ein „bullisches Gartley Muster“, die rechte Grafik in bearischem Rot zeigt ein „bearisches Gartley Muster“.
... Das hat doch erstaunliche Ähnlichkeit mit Elliott-Waves: Eine Impulswelle in Trendrichtung und eine ZigZag Korrektur...

Das Gartley Muster besteht aus 4 Segmenten: XA, AB, BC und CD, wobei der Beginn des Musters bei Punkt X liegt. In einem großen Trend kann X ein signifikantes/bedeutendes Hoch oder Tief sein. Punkt X kann aber genauso ein untergeordnetes Hoch oder Tief sein.

Ergänzt um Fibonacci Verhältnisse, sieht das Gartley Muster so aus wie in Abbildung 2.

Abbildung 2
  • AB sollte 62% von XA sein.
  • BC sollte 62-79% von AB sein.
  • CD sollte 127%-162% von BC sein.
  • AD sollte 79% von XA sein.


In Worten erklärt am Bullish Gartley (links in grün):
Die Aufwärtsbewegung XA endet mit einer Umkehr an A. Die Korrektur AB endet bei B, am 62% Retracement von XA, dargestellt durch die gepunktete graue Linie XB. Bei B dreht der Kurs wieder in die von XA vorgegebene Richtung. Idealerweise endet BC zwischen dem 62% und 79% Retracement von AB, dargestellt durch die gepunktete graue Linie AC. Bei C dreht der Kurs erneut entgegen die Haupttrendrichtung (vorgegeben durch XA). Die zweite Korrektur CD sollte 127% bis 162% Ausdehnung der ersten Korrektur AB erreichen, dargestellt durch die gepunktete graue Linie BD. Diese zweite Korrektur endet bei D. Die Gesamtkorrektur AD endet idealerweise am 79% Retracement von XA, dargestellt durch die gepunktete graue Linie XD. D ist der Einstiegspunkt für Kauf/Long (bullish Gartley) oder Verkauf/Short (bearish Gartley).


Wann wird dieses Muster ungültig, ist also gescheitert?

  • Wenn Punkt B unter den Beginn des Musters bei X fällt.
  • Wenn Punkt C über A steigt. Es kann allerdings mit A und C ein Doppel Top bzw. ein doppelter Boden gebildet werden. Also BC = AB.
  • Wenn der Punkt D unter den Beginn des Musters bei X fällt.

Anwendung

Als erstes gilt es, die Trendbewegung XA zu finden und das Ende dieser Bewegung zu bestimmen. Nach Pesavento ist insbesondere bei A nach Umkehrformationen in den Candlesticks zu suchen. Ist XA „gefunden“, werden die weiteren Segmente über die Fibo-Verhältnisse definiert. Werden diese Segmente innerhalb der Vorgaben ausgebildet, ist D der spannende Punkt. Hier werden beim Bullish Gartley Long Positionen und beim Bearish Gartley Short Positionen aufgebaut. Der enge Stopp wird knapp unter/über D gelegt, der großzügige Stopp kann unter/über X. Das Kursziel berechnet sich über das Segment AD, an welches Fibo-Retracements angelegt werden. Pesavento bevorzugt die 62% als Kursziel zum Ausstieg.


Literatur

Für weitere Informationen wird auf das Buch „Chartmuster richtig analysieren und bewerten“ von Larry Pesavento und Leslie Jouflas verwiesen, erschienen im Finanzbuchverlag.